Sonntag, 22. März 2020

Teil 2 (Neulich im Unverpacktladen)

*Post enthält bewusst unbezahlte Werbung



Viele wissen (leider) immer noch nicht, was genau ein Unverpackt-Laden ist, und haben entsprechend auch noch nie einen betreten. Deshalb möchte ich mit meinem heutigen Post für Aufklärung sorgen. Hilfestellung hierfür gibt ein Interview, das ich mit Sabine Riesch führen durfte. Sie ist Geschäftsführerin des Unverpackt-Ladens in Bad Tölz namens „Ois ohne“ ,was für alle oberhalb des Weißwurstäquators  übersetzt „Alles ohne“ bedeutet!

1.Wie seid ihr auf die Idee gekommen? Wie habt ihr euch gefunden?
Die eigentliche Initiatorin war Diana Meßmer, die sich durch Plastikfasten mit diesem Thema auseinandergesetzt hat. Ihre Tochter war es auch, die während des Studiums einen Businessplan für das Konzept erstellt hat. Ich selbst kam mit dem Thema Nachhaltigkeit durch eine Freundin, die nach Australien ausgewandert ist in Berührung. Damals habe ich mir viele Gedanken gemacht und auch vieles hinterfragt und dann einfach angefangen, peu à peu umzustellen. Begonnen habe ich z.B. mit dem Badezimmer, weil das am einfachsten ist!
 
 (Hierfür bietet das Kosmetikregal alles, was das Herz begehrt: (Haar-)Seifen, Zahnbürsten, Zahnputzpulver- und tabletten, Sheabutter, ebenso wie alles für die Monatshygiene, und vieles mehr)

2. Was ist euer Antrieb
Die Welt ein Stückchen besser zu machen.
Und dem Konsumenten zeigen, welche Macht jeder einzelne doch hat!

3. Wie kommen die Sachen in den Laden? In welcher Verpackung?
Vieles kommt in Kartons und Papier. Nur aus dem Ausland kommt manches leider immer noch in Plastiksäcken an, dann aber in ganz großen 25kg- Gebinden.
Gummibärchen gibt es z.B. gar nicht plastikfrei. Deswegen verzichten wir in unserem Laden bewußt darauf und bieten statt dessen getrocknete Mangos & Co. als  Alternative an.


4. Was passiert mit der Lieferverpackung?
Am besten lässt sich das an/mit der Firma Sonett erklären: Sonett schickt uns 20l Kanister und passende Rücksendekartons auf einer Palette, mit den Rücksendekartons werden pro Karton 6 leere Kanister an Sonett zurück geschickt, die dort wieder befüllt werden.

5. Woher bezieht ihr eure Ware?
Überwiegend von regionalen Produzenten, um die Lieferwege so kurz wie möglich zu halten Unsere Seifen beziehen wir z.B. aus einer Manufaktur, die 2 Orte weiter ist. Auch unser Kaffee kommt aus einer Rösterei ganz aus der Nähe und wird in großen Metalldosen geliefert, die wir leer wieder zurückgeben. Und bei internationalen Herstellern läuft es über den Biogroßhandel.
(hier z.B. "Lupinenkaffe")

6. Ist die komplette Ware Bioqualität?
Nicht alles. Manchmal müssen wir auch abwägen, was sinnvoller ist: Die Bionudeln aus Hamburg oder die Nudeln von einer Bäuerin „um die Ecke“ ohne Bio-Zertifikat. Ebenso unser Essig, den auch ein konventioneller Bauer ganz in der Nähe selbst herstellt. Doch wir können guten Gewissens sagen, dass ca. 80% Bioqualität ist.

7.Warum ist manche Ware trotzdem teurer, als die verpackte Variante?
Weil es immer vom Lieferanten abhängig ist. Wir haben in diesem Punkt viel Recherche betrieben und auch in anderen Bioläden „spioniert“.
Und im großen ganzen haben wir unsere Preise entsprechend angepasst und liegen oftmals sogar drunter.

8.Nach welchen Kriterien stellt ihr euer Sortiment zusammen?
Wir versuchen so viele Grundnahrungsmittel (Basics) wie möglich anzubieten. Und einiges wechseln wir auch immer wieder aus. Beispielsweise haben wir z.Zt. Sojagranulat im Angebot, dafür aber keinen Grünkern. Und nächsten Monat kann das schon wieder ganz anders aussehen. 

9. Könnte man mit euren Waren ein plastikfreies Essen zubereiten?
Ja. Da fällt mir spontan, Spaghetti mit Tomatensoße ein!

10. Ihr bietet auch einen Mittagstisch und Kuchen an. Macht ihr das alles selbst? Und mit eigenen Waren?
Ja, wir kochen alles selbst, und zwar vegetarisch und vegan, „und totaaal lecker!“ (wirft eine Kundin vom Nachbartisch ein! ;-) Das Gemüse dazu bekommen wir von einer Organisation, die sich Biotop nennt. Dort wird nachhaltig, fair und solidarisch angebaut, und jedes Gemüse wird verarbeitet, egal, ob es krumm, dreibeinig oder zweiköpfig ist. Was zählt ist der Geschmack, nicht das Aussehen. Und auch der Kuchen, den wir in unserem Café anbieten ist selbst gemacht. Passend zur Fastenzeit haben wir im Moment z.B. jede Woche ein anderes Thema, und da diese Woche „zuckerfrei“ ist, bieten wir heute ein Bananenbrot an, das ich am Morgen gebacken habe.
 (Blick ins Café)
11. Wer sind eure Kunden/ Zielgruppe
Zunächst einmal logischerweise viele Tölzer. Und es kommen wirklich alle Altersgruppen. Tatsächlich auch viele ältere Leute, die diese Arte des Einkaufens ja noch von ihrer eigenen Kindheit her kennen.
Zum Mittagstisch kommen auch Schüler der Berufsschule, die sich gerne gesund ernähren, und die ewige „Leberkaassemmel“, die täglich am Schulkiosk angeboten wird „einfach nur doof finden!“

12.Wie ist die Resonanz auf den Laden hier in Bad Tölz?
Wirklich SEHR GUT! Mehr kann/muss ich dazu nicht sagen ;-)

13. Wie und wo macht ihr Werbung?
Per social medias wie Facebook, Instagram, unserer Website und über die Tageszeitung.

14. Ihr bietet in eurem Laden auch leere Gläser kostenlos für den Einkauf an. Wie seid ihr darauf gekommen?
Oftmals kommen die Leute, weil sie „nur schauen“ wollen. Doch meistens finden sie dann doch irgendwas, das sie gerne mitnehmen würden. Logischerweise haben sie keine eigenen Behältnisse dabei. So bieten wir leere Konservengläser an, die uns die Kunden mitbringen und die wir vorher nochmal durch die Spülmaschine laufen lassen. Ebenso dürfen sie auch die leeren Papiertüten von Mehl und Getreide nehmen, die wir daneben liegen haben.

15. Auf einigen eurer Abfüllröhren kleben Firmennamen. Was hat es damit auf sich?
Das sind sozusagen „Mini-Litfaßsäulen“; damit finanzieren wir den Laden, der genossenschaftlich  geführt wird. Die Einlage hängt von der Größe des Aufdrucks ab und geht bei 200€ los.
 (hier die Abfüllstation mit den Werbeaufdrucken einzelner Firmen)


Liebe Sabine, hiermit möchte ich mich noch einmal recht herzlich für das interessante und ausführliche Gespräch bedanken und vor allem, dass du dir auch noch die Zeit dafür genommen hast, während im Laden zeitweise  „der Bär steppte“  ;-)

Ich hoffe, dass (mitunter auch durch diesen Post?) noch viel mehr Menschen neugierig geworden sind, und ihre Bequemlichkeit, Scheu etc. überwinden und euch in den nächsten Tagen einen Besuch abstatten, und sei es nur, um gemütlich einen leckeren Kaffee zu trinken, während der Mann bei der Fußpflege nebenan ist ;-) (Wie mir einer ältere und nette Dame berichtete)

Und zum Abschluß möchte ich euch noch auf einen kleinen  Rundgang durch den Verkaufsraum mitnehmen:
(Betritt man den Laden, fällt das Augenmerk sofort auf die Tafel gegenüber, die grob erklärt, wie das Einkaufen hier funktioniert)
(Hier die Abfüllstation)


(Gewürze und Backzutaten, soweit das Auge reicht, was mich persönlich, besonders freut :-)

(falls man wirklich nichts dabei hat, ist dies auch nicht schlimm....)


Und auch das hier ist auch eine ganz tolle Aktion:

Und während man genüsslich seinen Kaffee trinkt, kann man in der einen oder anderen Lektüre rund ums Thema Plastikverzicht stöbern.
So, das war ein kleiner Ausschnitt aus dem Laden. Ich könnte euch noch soo viel mehr zeigen. Aber wisst ihr was? Am besten, ihr macht euch selbst ein Bild und sucht den nächsten Unverpacktladen auf. Vielleicht treffen wir uns ja dort sogar ;-)


In diesem Sinne, 
macht´s gut, bleibt gesund!!
Eure Jeanne




Kommentare:

  1. Liebe Jeanne,

    super hast Du das mit dem Interview gemacht. Näh gerade aus alten Handtüchern Zewarollenersatz. Übrigens dann braucht man das schon mal nicht mehr Hamstern.... und tut was für die Umwelt.

    LG
    Ursula
    PS: Die gerade etwas Nebenderspur ist.... Gründe bekannt. Ich lass mich nicht runterziehen nein nur....

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    1. Liebe Ursula,
      dankeschön! Ui, das klingt ja sehr nachhaltig! Musst du unbedingt zeigen, wenn du damit fertig bist. Ich finde, dieses "Zurückziehen" birgt auch jede Menge Positives. Man kann endlich all die Dinge erledigen, für die sonst nie die Zeit ist. Also ich sehe das jedenfalls so!...
      Wünsche dir alles gute, bleib vor allem gesund!!
      Liebe Grüße zurück

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  2. Liebe Jeanne,
    ein mal wieder wirklich sehr interessant Blogpost. Da hast Du Dir richtig Mühe gemacht, eine tolle Initiative dieser Laden. Derzeit machen alle Läden schwere Zeiten durch, es wäre zu schön wenn alle diese lange Durststrecke überstehen.
    Hier auf der Insel sieht es für kleine Läden, Pensionen, Gastronomie schlecht aus... Wenn die Schließung lange anhält ist es für ganz viele das Aus. Unfassbar, auch das Hotel in dem ich arbeite ist zu und wir Mitarbeiter auf Kurzarbeit, dass ist keine Lösung für mehrere Monate. Ich bin gespannt.
    Uns allen drücke ich die Daumen das wir schön gesund bleiben, sei schön vorsichtig Jeanne.
    Sonnige Grüße von der Insel, Mandy
    PS. wir machen natürlich das Beste draus, kommen gerade vom Picknick am Meer, soweit man schaut, keine Menschen... aber Traumwetter :)

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    1. Liebe Mandy,
      danke sehr!!
      Das kalte Wetter macht es uns im Moment sehr leicht, die Ausgangsbeschränkungen einzuhalten. Für uns hat sich, so komisch das vielleicht klingt, überhaupt nichts verändert, ausser dass mein Mann im Homeoffice ist und unsere Tochter uns im Moment nicht mehr besuchen kann, weil sie ja in Meck-Pomm wohnt.Dir drücke ich natürlich die Daumen, dass der Tourismus irgendwann wieder anläuft....
      Ansonsten kann man nichts anderes tun, als das Beste draus machen; mal ehrlich, wenn das einer kann, dann ihr da oben ;-) !!!
      Schicke dir ganz dolle extraliebe Grüße auf die Insel :))

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  3. Liebe Jeanne!
    Was für ein großer Unverpacktladen! Das ist ja der Wahnsinn! Kein Wunder, dass du da so gerne einkaufen gehst. Die Besitzerin scheint ja auch ein wirklich gutes Konzept zu haben.
    Warst du in der letzten Tagen mal da? Mich würde interessieren, ob sie irgendwelche Auswirkungen wegen dem Coronavirus spürt? Darf man noch mit seinen eigenen Dosen kommen? Bei uns an der Fleischtheke nehmen sie zur Zeit keine eigenen Dosen und auch auf dem Markt fassen sie die eigenen Beutel nicht mehr an. Ich war die letzten Tage nicht beim Bäcker, weiß gar nicht wie das da jetzt ist, ob die noch die Brötchenbeutel nehmen?
    Hier bei uns im Ort haben sich vier Leute zusammengetan und möchten auch einen Unverpacktladen aufmachen. Ich bin schon sehr gespannt, ob das was wird und hoffe sehr, dass er dann auch zentral liegt. Ich werde berichten.
    Ganz ganz viele liebe Grüße aus dem Norden in den Süden
    Lilly

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    1. Liebe Lilly,
      die ersten Auswirkungen sind angeblich schon zu spüren. Und laut einer Mitarbeiterin sind sie am Überlegen, nur noch die Rohre zu befüllen (Wo die Kunden nicht in direktem Kontakt mit der Ware kommen) Wir wollen auf jeden Fall morgen noch mal hin. Klar, sind die meisten Sachen der Ansteckung ausgesetzt. Aber, da ich den Großteil überwiegend koche, halte ich weiterhin an diesem System fest. Kritisch wird es allerdings bei den Produkten für´s Müsli. Da bin ich noch am überlegen, ob ich vorrübergehend Eingepacktes kaufe....
      Ui, da drücke ich dir gaaanz fest die Daumen, dass bei euch auch bald einer eröffnet! :)) (Da kannst du dann mit deinem "Hackenporsche" hinfahren! ;-)
      Beim Bäcker war ich auch nicht mehr, weil die immer noch das Geld und die Backwaren ohne Schutz angefasst haben. Das war mir dann doch zu heikel. Ich backe ohnehin alles selbst!! Unser Fischhändler aus dem Fischmobil hat uns letzte Woche noch die Ware in die Dose gelegt, die wir ihm, ohne etwas zu berühren, hingehalten haben!...Kann diese Woche aber auch schon wieder anders sein ;-)
      Ganz ganz liebe Grüße zurück in den hohen Norden :))

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  4. Ein interessantes Interview, Jeanne, das Lust macht, so einzukaufen (wenn man denn könnte....! 😕) Ich hoffe sehr, dass es immer mehr solcher Läden gibt, gerne auch einen in meiner Nähe. Eigentlich müssten doch die Grossverteiler auf diesen Zug aufspringen- die hätten schon die ganze Logistik, und wenn die von ihren Lieferanten Grossgebinde verlangen, dann kommt da ganz automatisch was ins Rollen- oder? Das wäre einfach klasse...
    Ich war heute morgen ganz früh nach der Stallarbeit schnell zum Einkaufen; es war ausgepsrochen ruhig, und das Personal immer noch sehr freundlich. Auch diesen Angestellten muss man mal ein dickes Kränzchen winden! Die machen wohl auch Überstunden ohne Ende und müssen sich bestimmt das eine oder andere Mal von genervten Kunden anpflaumen lassen, weil jetzt gerade das von ihnen bevorzugte Produkt aus ist....
    Selber arbeiten wir zur Zeit in möglichst kleinen Teams, damit immer ein "Bestand" an gesundem Personal verfügbar ist. Ich hoffe, wir bekommen das hin! Aus diesem Grund hab ich heute auch frei und "muss" Überstunden abbummeln. Das ist grundsätzlich gar nicht mal so schlecht, draussen ist ein Prachtswetterchen, und die beiden Dicken warten auf ihren Waldspaziergang! 😊
    Bleib gesund, ganz ❤️liche Grüsse!

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    1. Liebe Frau Hummel,
      ich drücke euch natürlich die Daumen, dass auch die Schweiz endlich auf den Trichter kommt, und immer mehr solcher Läden entstehen. Unser Planet hat es dringend nötig. Über das Verkaufspersonal hab ich in meinem nächsten Post geschrieben. Denen gehört nicht nur ein Kränzchen, sondern auch eine Medaille verpasst!!!
      Wie bereits schon geschrieben: Ihr macht einen tollen Job! Passt auf euch auf und bleibt gesund!! Danke, dass ihr für uns da seid :)))
      Erhol dich gut, beim Ausritt mit deinen Dicken...
      Viele liebe Grüße zurück

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