*Post enthält bewusst unbezahlte Werbung
Viele wissen (leider) immer noch nicht, was genau ein
Unverpackt-Laden ist, und haben entsprechend auch noch nie einen betreten.
Deshalb möchte ich mit meinem heutigen Post für Aufklärung sorgen.
Hilfestellung hierfür gibt ein Interview, das ich mit Sabine Riesch führen
durfte. Sie ist Geschäftsführerin des Unverpackt-Ladens in Bad Tölz namens „Ois
ohne“ ,was für alle oberhalb des Weißwurstäquators übersetzt „Alles ohne“ bedeutet!
1.Wie seid ihr auf die Idee gekommen? Wie habt ihr
euch gefunden?
Die eigentliche Initiatorin war Diana Meßmer, die sich
durch Plastikfasten mit diesem Thema auseinandergesetzt hat. Ihre Tochter war
es auch, die während des Studiums einen Businessplan für das Konzept erstellt
hat. Ich selbst kam mit dem Thema Nachhaltigkeit durch eine Freundin, die nach
Australien ausgewandert ist in Berührung. Damals habe ich mir viele Gedanken
gemacht und auch vieles hinterfragt und dann einfach angefangen, peu à peu
umzustellen. Begonnen habe ich z.B. mit dem Badezimmer, weil das am einfachsten
ist!
(Hierfür bietet das Kosmetikregal alles, was das Herz begehrt: (Haar-)Seifen, Zahnbürsten, Zahnputzpulver- und tabletten, Sheabutter, ebenso wie alles für die Monatshygiene, und vieles mehr)
2. Was ist euer Antrieb
Die Welt ein Stückchen besser zu machen.
Und dem Konsumenten zeigen, welche Macht jeder einzelne
doch hat!
3. Wie kommen die Sachen in den Laden? In welcher
Verpackung?
Vieles kommt in Kartons und Papier. Nur aus dem Ausland
kommt manches leider immer noch in Plastiksäcken an, dann aber in ganz großen
25kg- Gebinden.
Gummibärchen gibt es z.B. gar nicht plastikfrei. Deswegen
verzichten wir in unserem Laden bewußt darauf und bieten statt dessen
getrocknete Mangos & Co. als Alternative an.
4. Was passiert mit der Lieferverpackung?
Am besten lässt sich das an/mit der Firma Sonett
erklären: Sonett schickt uns 20l Kanister und passende Rücksendekartons auf
einer Palette, mit den Rücksendekartons werden pro Karton 6 leere Kanister an
Sonett zurück geschickt, die dort wieder befüllt werden.
5. Woher bezieht ihr eure Ware?
Überwiegend von regionalen Produzenten, um die Lieferwege
so kurz wie möglich zu halten Unsere Seifen beziehen wir z.B. aus einer
Manufaktur, die 2 Orte weiter ist. Auch unser Kaffee kommt aus einer Rösterei
ganz aus der Nähe und wird in großen Metalldosen geliefert, die wir leer wieder zurückgeben. Und bei internationalen Herstellern läuft es über den
Biogroßhandel.
(hier z.B. "Lupinenkaffe")
6. Ist die komplette Ware Bioqualität?
Nicht alles. Manchmal müssen wir auch abwägen, was
sinnvoller ist: Die Bionudeln aus Hamburg oder die Nudeln von einer Bäuerin „um
die Ecke“ ohne Bio-Zertifikat. Ebenso unser Essig, den auch ein konventioneller
Bauer ganz in der Nähe selbst herstellt. Doch wir können guten Gewissens sagen,
dass ca. 80% Bioqualität ist.
7.Warum ist manche Ware trotzdem teurer, als die
verpackte Variante?
Weil es immer vom Lieferanten abhängig ist. Wir haben in
diesem Punkt viel Recherche betrieben und auch in anderen Bioläden „spioniert“.
Und im großen ganzen haben wir unsere Preise entsprechend
angepasst und liegen oftmals sogar drunter.
8.Nach welchen Kriterien stellt ihr euer Sortiment
zusammen?
Wir versuchen so viele Grundnahrungsmittel (Basics) wie
möglich anzubieten. Und einiges wechseln wir auch immer wieder aus.
Beispielsweise haben wir z.Zt. Sojagranulat im Angebot, dafür aber keinen Grünkern.
Und nächsten Monat kann das schon wieder ganz anders aussehen.
9. Könnte man mit euren Waren ein plastikfreies Essen
zubereiten?
Ja. Da fällt mir spontan, Spaghetti mit Tomatensoße ein!
10. Ihr bietet auch einen Mittagstisch und Kuchen an.
Macht ihr das alles selbst? Und mit eigenen Waren?
Ja, wir kochen alles selbst, und zwar vegetarisch und
vegan, „und totaaal lecker!“ (wirft eine Kundin vom Nachbartisch ein! ;-) Das
Gemüse dazu bekommen wir von einer Organisation, die sich Biotop nennt. Dort
wird nachhaltig, fair und solidarisch angebaut, und jedes Gemüse wird
verarbeitet, egal, ob es krumm, dreibeinig oder zweiköpfig ist. Was zählt ist
der Geschmack, nicht das Aussehen. Und auch der Kuchen, den wir in unserem Café
anbieten ist selbst gemacht. Passend zur Fastenzeit haben wir im Moment z.B.
jede Woche ein anderes Thema, und da diese Woche „zuckerfrei“ ist, bieten wir
heute ein Bananenbrot an, das ich am Morgen gebacken habe.
(Blick ins Café)
11. Wer sind eure Kunden/ Zielgruppe
Zunächst einmal logischerweise viele Tölzer. Und es
kommen wirklich alle Altersgruppen. Tatsächlich auch viele ältere Leute, die
diese Arte des Einkaufens ja noch von ihrer eigenen Kindheit her kennen.
Zum Mittagstisch kommen auch Schüler der Berufsschule,
die sich gerne gesund ernähren, und die ewige „Leberkaassemmel“, die täglich am
Schulkiosk angeboten wird „einfach nur doof finden!“
12.Wie ist die Resonanz auf den Laden hier in Bad
Tölz?
Wirklich SEHR GUT! Mehr kann/muss ich dazu nicht sagen
;-)
13. Wie und wo macht ihr Werbung?
Per social medias wie Facebook, Instagram, unserer
Website und über die Tageszeitung.
14. Ihr bietet in eurem Laden auch leere Gläser
kostenlos für den Einkauf an. Wie seid ihr darauf gekommen?
Oftmals kommen die Leute, weil sie „nur schauen“ wollen.
Doch meistens finden sie dann doch irgendwas, das sie gerne mitnehmen würden. Logischerweise haben sie keine eigenen Behältnisse dabei. So bieten wir
leere Konservengläser an, die uns die Kunden mitbringen und die wir vorher
nochmal durch die Spülmaschine laufen lassen. Ebenso dürfen sie auch die leeren
Papiertüten von Mehl und Getreide nehmen, die wir daneben liegen haben.
15. Auf einigen eurer Abfüllröhren kleben Firmennamen.
Was hat es damit auf sich?
Das sind sozusagen „Mini-Litfaßsäulen“; damit finanzieren
wir den Laden, der genossenschaftlich
geführt wird. Die Einlage hängt von der Größe des Aufdrucks ab und geht
bei 200€ los.
(hier die Abfüllstation mit den Werbeaufdrucken einzelner Firmen)
Liebe Sabine, hiermit möchte ich mich noch einmal recht
herzlich für das interessante und ausführliche Gespräch bedanken und vor allem,
dass du dir auch noch die Zeit dafür genommen hast, während im Laden
zeitweise „der Bär steppte“ ;-)
Ich hoffe, dass (mitunter auch durch diesen Post?) noch
viel mehr Menschen neugierig geworden sind, und ihre Bequemlichkeit, Scheu etc.
überwinden und euch in den nächsten Tagen einen Besuch abstatten, und sei es
nur, um gemütlich einen leckeren Kaffee zu trinken, während der Mann bei der
Fußpflege nebenan ist ;-) (Wie mir einer ältere und nette Dame berichtete)
Und zum Abschluß möchte ich euch noch auf einen kleinen Rundgang durch den Verkaufsraum mitnehmen:
(Betritt man den Laden, fällt das Augenmerk sofort auf die Tafel gegenüber, die grob erklärt, wie das Einkaufen hier funktioniert)
(Hier die Abfüllstation)
(Gewürze und Backzutaten, soweit das Auge reicht, was mich persönlich, besonders freut :-)
(falls man wirklich nichts dabei hat, ist dies auch nicht schlimm....)
Und auch das hier ist auch eine ganz tolle Aktion:
Und während man genüsslich seinen Kaffee trinkt, kann man in der einen oder anderen Lektüre rund ums Thema Plastikverzicht stöbern.
So, das war ein kleiner Ausschnitt aus dem Laden. Ich könnte euch noch soo viel mehr zeigen. Aber wisst ihr was? Am besten, ihr macht euch selbst ein Bild und sucht den nächsten Unverpacktladen auf. Vielleicht treffen wir uns ja dort sogar ;-)
In diesem Sinne,
macht´s gut, bleibt gesund!!
Eure Jeanne